Hi, ich bin Jimmy und möchte euch a bisl was von mir erzählen…. ich bin ein ziemlich großer schwarz-weißer Kater, der ursprünglich aus Spanien kommt.
Mit ca. 6 Monaten bin ich nach Deutschland gekommen und durfte dort bei einer Familie wohnen. Irgendwie konnte ich dort aber nicht bleiben und kam dann Ende 2012 mit 3 Jahren zu meiner Pflegemama Christine. Sie hat sich dann darum gekümmert, dass ich ein neues Zuhause bekomme.
Leider hat sich das als etwas schwierig gestaltet, weil ich ja eher ängstlich und nicht so die Schmusekatze bin. Na gut, also ehrlich gesagt, ich bin ein richtiger Schisser und hab vor allem und jedem Angst! Ich kann nicht sagen, warum das so ist, aber ich erschreck mich immer so schnell und lauf dann einfach weg und versteck mich.
Die meisten Menschen, die nach mir gefragt haben, weil ich ja doch ein hübscher Kerl bin, fanden diese Eigenschaft dann aber doch nicht so ansprechend und haben sich dann immer gegen mich entschieden. Denn alle wollen halt doch eine Katze, die man anfassen und knuddeln kann. Ich fand das blöd, denn ich bin echt ein netter Kerl, der einfach nur lernen muss, Vertrauen zu fassen. Aber wenn mir keiner eine Chance gibt?
Christine, meine Pflegemama, hat sich viel Mühe mit mir gegeben und es tatsächlich geschafft, dass ich mich dann irgendwann doch vorsichtig streicheln ließ. Aber den Zeitpunkt hab immer ich bestimmt. Sicher ist sicher!
Tja, und dann im Frühjahr 2013 haben sich wieder mal Interessenten für mich gemeldet. Hab mir keine großen Hoffnungen gemacht, da es bisher ja immer gescheitert ist.
Ich hab dann im Flur auf der Kommode gewartet und hab die beiden ordnungsgemäß, als sie zu mir her kamen, mit lautem Fauchen begrüßt. Die beiden hat das aber nicht wirklich beeindruckt und es fiel schnell der Satz: ‚Ok, wir nehmen ihn!‘ Ich dachte, ich hör nicht recht. Sie haben nicht mal versucht mich anzufassen, ich hab sie angefaucht und trotzdem wollten sie mich. Wahnsinn!
Christine hat mir dann erzählt, dass sie die beiden kennt und sie schon 2 Miezen haben. 2 Mädchen, eine auch aus Spanien. Die dritte Katze, ein Kater, auch schwarz-weiß, ist leider verstorben. Und da wieder ein Mann ins Haus muss, darf ich einziehen.
Dann kam der große Tag. Mann, war das aufregend! Die Scherzkekse wollten mich doch tatsächlich in die Transportbox heben. Da hab ich ihnen gleich mal einen Strich durch die Rechnung gemacht und hab mich unter der Couch versteckt. Naja, irgendwann haben sie mich dann doch erwischt und in die Box rein. Christine hat mir zum Abschied noch mein rosa Baldrianherz und meine Styroporschachtel mitgegeben. Da hab ich bei ihr immer so gern drin geschlafen.
Endlich am Ziel angekommen wurde ich im Flur der Wohnung schon von den zwei Katzendamen erwartet und wir konnten uns ganz kurz durch das Gitter sehen. Die eine heißt Feli und ist eine sehr kleine hübsche Schildpattkatze. Später hat sie mir erzählt, dass sie mal auf der Straße gelebt hat und hat mit einigen Stunts, sie ist z.B. immer wenn ein Auto kam über die Straße gelaufen, auf sich aufmerksam gemacht. Irgendwann hatte sie ihr Ziel erreicht und durfte bei den beiden Menschen, die auch mir jetzt ein zuhause geben, für immer einziehen.
Die andere Mieze ist die Mima. Sie kam ein Jahr zuvor aus Spanien und lebte dort zuletzt auch bei einer Pflegemama. Vorher war sie eine richtige Straßenkatze. Bitte behaltet das für euch, aber genauso sieht sie auch aus. Sie hat eine sehr breite Nase und daneben eine dicke, große Narbe. Ihre Ohren sind auch etwas zerfleddert. Die erste Begegnung verlief friedlich, aber ab und zu ist sie schon auf Krawall gebürstet.
Die ersten Wochen wohnte ich allein im Schlafzimmer. Meine neuen menschlichen Mitbewohner haben abwechselnd bei mir geschlafen, damit ich mich nicht so einsam fühle. Der jeweilige andere blieb im Wohnzimmer bei den Mädels.
Aber die haben natürlich gemerkt, dass ich da war und haben öfter an der Tür gekratzt. Ich fand das wahnsinnig interessant und hab ich auf die andere Seite der Tür gesetzt und gelauscht. Irgendwann durfte ich dann ab und zu unter Aufsicht raus und den Rest der Wohnung erkunden. Ach ja, dass ich mich nicht anfassen ließ, brauch ich ja nicht zusätzlich erwähnen, oder?
Feli hatte anfangs Angst vor mir und ist immer weggelaufen, wenn ich kam. Komisch zu sehen, dass jemand noch mehr Angst hat als ich. Vor anderen Katzen fürchte ich mich nämlich eigentlich nicht so.
Mima war ich wohl eher wurscht! Für sie zählt nur, dass sie ihren gewohnten Schlafplatz hat und genug zu essen bekommt. Der Rest ist ihr ziemlich egal. Sie ist überhaupt eine richtig coole Socke. Ihr macht es auch nix aus, wenn sie zum Tierarzt muss. Wahhh, manchmal ist sie mir echt unheimlich!
Mit der Zeit hab ich mich gut in die Katzen-Menschen-WG eingelebt. Ich weiß, wann es essen gibt, ich weiß, welches Geräusch zu hören ist, wenn die Leckerli-Schublade geöffnet wird und ich hab einen Lieblingsplatz auf dem Balkon.
Mima ist hier ganz klar die Chefin, was ich auch nie angezweifelt hab. Ich konnte mir schon viel von ihr abschauen, was mir wirklich sehr hilft, immer selbstbewusster zu werden. Ich war sogar schon 2 x beim Tierarzt. Das mit der Box war wieder so eine Sache, aber beim Tierarzt war ich sehr brav und ließ alles Notwendige mit mir machen. Der Tierarzt war sehr zufrieden mit mir und hat mich gelobt. Er hat auch Erfahrungen mit so scheuen Tieren wie mir und hat gesagt, dass ich einfach nur ein geregeltes Umfeld und viel Geduld brauche, bloß keinen Zwang. Der Rest ergibt sich dann von selbst. Mima war übrigens jedes Mal mit dabei… als Begleitschutz sozusagen, denn ihr fehlte eigentlich nix.
Was ich allerdings immer noch nicht weiß, ist, ob ich vertrauen kann. Das fällt mir noch soooo schwer. Aber ich geb mir wirklich große Mühe, denn es ist wirklich anstrengend ständig auf der Hut zu sein und ständig Angst zu haben und meine Menschen sind ja auch so lieb zu mir. Ich krieg besonderes Futter, weil ich einen empfindlichen Magen hab, ich krieg immer neue Bälle, weil ich so gern damit spiele und jetzt haben sie sogar einen ganz großen Kratzbaum gekauft. An dem kann man richtig klettern, wie an einem Baum. Ja erraten, des mach ich natürlich nicht, bin ja nicht verrückt…. ist ja viel zu gefährlich!
Mein Frauchen übt mit mir fast jeden Tag ‚Streicheln‘. Sie setzt sich dann ganz vorsichtig in meine Nähe und bewegt sich in Zeitlupe in meine Richtung. Dann redet sie ganz leise mit mir und erklärt mir, was sie vor hat. Das macht die beiden übrigens immer. Wenn ich im Zimmer bin und sie da was machen wollen, erklären sie es mir, damit ich mich nicht so erschrecke. Ist ganz gut, denn ich versteh schon immer öfter an ihrer Körperhaltung, was jetzt gleich passiert.
Jetzt nochmal zum Streicheln-üben. Sie fasst mich dann ganz vorsichtig an und krault mich. Mittlerweile find ich das echt gut und lass immer mehr zu. Es ist so schön, denn die beiden freuen sich dann immer so. Letztes Mal hab ich geschnurrt, weil es so angenehm war. Frauchen ist fast ausgeflippt. Menschen sind schon komisch. Eigentlich passiert mir ja dabei nix, aber trotzdem erschreck mich dann trotzdem und muss schnell weg. Aber es wird immer besser.
Ich möchte mit meiner Geschichte auf alle scheuen und schüchternen Katzen aufmerksam machen und darum bitten, ihnen doch eine Chance zu geben, wie man sie mir auch gegeben hat. Meine Menschen lassen mich einfach sein, wie ich bin und versuchen gleichzeitig ganz behutsam mir zu zeigen, dass ich Vertrauen fassen kann und mir nix passieren kann.
Mit viel Geduld und Liebe und in einer Gruppe von 2 oder 3 sozialen Katzen haben auch Katzen, wie ich es bin, die Möglichkeit auf ein schönes und normales Katzenleben. Sie brauchen nur eine Chance! Bitte gebt sie ihnen.
Euer Jimmy, ach ja Mima und Feli lassen auch ganz lieb grüßen



