Anmerkung: Tasso e.V. widmet sich im Tierschutz der Registrierung und Rückvermittlung entlaufener Tiere: www.tasso.net
Am Montag Abend dieser Woche entschied ich, dass der Salat im Kühlschrank nicht mehr genießbar war. Gerne werfe ich Lebensmittel nicht weg, aber in Anbetracht der folgenden Vorfälle war es ein großes Glück, dass ich los zog, um frischen Salat zu holen.
Der Supermarkt liegt gleich gegenüber auf der anderen Seite einer viel befahrenen Hauptstraße und es herrschte hektischer Berufsverkehr. Ich erschrak, als ich plötzlich eine Katze über die Straße in Richtung Supermarkt sausen sah und ging vorsichtig hinterher um sie genau zu betrachten und um sie mit einem „Gesucht-Plakat“ abzugleichen. Es war schwierig, denn es war stockdunkel und die Katze war scheu und hielt Distanz. Ich versuchte, sie vor die Supermarkt-Tür zu locken um sie so im Licht besser sehen zu können. Aber sie sauste zurück und suchte Schutz unter einem Altpapiercontainer direkt an der Straße. Das gefiel mir überhaupt nicht. Vielleicht sollte ich lieber aufgeben, denn offensichtlich fühlte sie sich von mir gejagt und dadurch könnte ich sie in größte Gefahr bringen. Also ging ich weg von ihr und der Straße, wieder in Richtung Supermarkt. Dabei sprach ich leise mit ihr, ging immer wieder in die Hocke und wartete. Und sie kam sehr langsam näher, zog sich aber immer wieder zurück. Nach einer Weile konnte ich ihr ganz sachte über den Rücken streichen und das Köpfchen berühren. Sie folgte mir sogar bis ich vor dem Supermarkt erkennen konnte, dass sie nicht die Katze auf dem Plakat war. Was war jetzt richtig und was war falsch? Durfte ich eine fremde Katze einfach mitnehmen, nur weil es mir nicht passte, dass sie in einer vielbefahrenen Umgebung Freilauf hatte? Nein, natürlich nicht. Also ging ich erst einmal einkaufen.
Als ich danach aus der Supermarkt-Tür kam, saß Miez direkt davor, begrüßte mich und verhielt sich, als wäre ich alles, was sie hat auf der Welt. „Komm, geh nach Hause“, sagte ich zu ihr. Aber sie hatte nur noch Augen für mich und folgte mir hartnäckig auf meinem Rückweg. Ich beschloss, sie für die Nacht mitzunehmen und am Morgen weiter zu schauen. Da sie sich nicht auf den Arm nehmen ließ, blieb mir nichts anderes übrig, als bei grün mit ihr die Straße zu überqueren. Glücklicherweise ging sie weiterhin exakt „bei Fuß“ und begleitete mich vorbildlich zu unsere Wohnung. Ich bugsierte sie ins Bad, wo sie zufrieden und erleichtert Platz nahm, sich laut schnurrend streicheln ließ und die Wärme genoss. Und schon bald ließ sie es sich schmecken und benutzte brav das Klo.
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| Die Fundmiez beim Probeliegen in der Badewanne |
Am nächsten Vormittag ließ ich ein paar Hundert Meter entfernt bei der Tierärztin den Chip der Katze auslesen, denn leider hatte ich kein Chiplesegerät. Dann ging alles ganz schnell. Ein wenig später, wieder mit Miez zuhause, gab ich online bei Tasso die Chip-Nummer der Fundkatze ein. Und Bingo! Es kam die Meldung „Das Tier wird vermisst“ und zwar seit dem 15. Januar(!) wie ich gleich darauf telefonisch von der Tasso-Mitarbeiterin erfuhr. Und wenige Minuten später rief mich auch schon die aufgeregte Besitzerin der Katze an. Passiert war am 15. Januar folgendes: Sie war mit dem Auto aus einem Nachbarort nach Poing gefahren und beim Öffnen der Heckklappe war Miez heraus gesprungen und davon gerannt. Sie hatte sich zu Hause unbemerkt in den Wagen geschlichen. Die Wiedersehensfreude in meinem Bad war groß! Aber wo Miez die zwei Monate mit teilweise eisigen Nächten verbracht hat, wird vermutlich ihr Geheimnis bleiben. Die Familie hatte eine wahre Odyssee an vergeblichen Suchaktionen hinter sich und die Hoffnung auf ein Wiedersehen war immer weiter geschwunden.
Meine Bitte an Sie: sicherlich ist es nicht leicht, zu entscheiden, ob eine Katze gerade einen Spaziergang macht oder in Not ist. Aber wenn Ihnen auffällt, dass eine Katze nicht weiß, wohin sie gehen soll und wenn zusätzlich noch die Umstände ungünstig sind (z.B. Nacht, Winter, gefährliche Straßenlage), dann sehen Sie nicht weg sondern bringen Sie sie in Sicherheit. Natürlich müssen Sie sie so bald wie möglich bei den üblichen Stellen melden, also zunächst bei Tasso und wenn das nichts bringt auch beim Tierarzt, Tierheim, den umliegenden Tierkliniken und der Polizei.
